Artikel Teckbote

Den Segen für die Lokalpolitik erbitten

Gebet Beim 34. „Gebet für die Stadt“ nannte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker 
vor gut 50 Zuhörern ihre wichtigsten Anliegen, für die dann gebetet wurde. Von Peter Dietrich

In Sitzgruppen wird in der Zionskirche nicht miteinander geredet, sondern mit Gott, in freien Worten, ob laut oder leise.Foto: Peter DietrichFoto: Peter Dietrich

In Sitzgruppen wird in der Zionskirche nicht miteinander geredet, sondern mit Gott, in freien Worten, ob laut oder leise.

Kann einem Stadtoberhaupt etwas Besseres passieren? Zuerst erzählt es, was ihm auf dem Herzen liegt. Anschließend bilden rund 50 aufmerksame Zuhörer kleine Gruppen, um diese Anliegen im Gebet an allerhöchster Stelle vorzubringen. Und um des Höchsten Segen für dieses Stadtoberhaupt zu erbitten: für Weisheit in schwierigen Entscheidungen, Standhaftigkeit in Anfeindungen und vieles mehr.

Vor zehn Jahren hatte die Christliche Initiative Kirchheim (CIK) zum ersten Mal zum „Gebet für die Stadt“ eingeladen, damals war Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ebenfalls dabei. Dazwischen liegen Gebetstreffen im Bohnauhaus und im Mehrgenerationenhaus Linde, in der Diakonischen Bezirksstelle und bei der Stiftung Tragwerk. Es gab bewegende Gebetstreffen mit behinderten Menschen bei der Lebenshilfe und solche mit nur einer Handvoll Teilnehmern in der Stadtbücherei. Letzteres war im August 2008 zum Thema Integration – wie sehr dieses Thema massive Förderung von „ganz oben“ brauchen kann, war damals noch weniger offensichtlich als heute.

Integration war einer der sechs Schwerpunkte, die Angelika Matt-Heidecker als aktuelle Anliegen nannte. Besonders wichtig war ihr die Bildung, „weil wir alle Kinder Gerechtigkeit erfahren lassen müssen“. Sie wünscht sich genügend Wohnraum für alle Menschen, für Alte, Alleinerziehende, Familien, Migranten, Flüchtlinge und Obdachlose. Es geht ihr um ein friedliches Miteinander, um eine gesunde Umwelt, zu der jeder etwas beitragen kann. Und weil vieles Geld kostet, wünschte sie sich auch, um genügend Finanzmittel für die Stadt zu bitten. Matt-Heidecker hoffte auch da­rauf, für sie selbst zu bitten: um Kraft und die nötige Unterstützung, weil einer allein nichts erreicht, um die Gabe, gerecht zu sein gegenüber jedermann und für Geduld und langen Atem. Sie erinnerte an die Trennung von Staat und Kirche, die das Grundgesetz vorsehe. Sie sieht dennoch die Christen in der Pflicht, sich „mit ihren Werten und Grundsätzen in das Gelingen des Gemeinwesens einzubringen“. Aber Christen, andere Religionen und Religionslose sollten „der Stadt Bestes“ – ein Zitat aus der Bibel – gemeinsam suchen.

„Ja soll ich denn für den Straßenbelag beten?“ Das hatte sich CIK-Stadtrat Gerd Mogler damals beim ersten Gebet für die Stadt zweifelnd gefragt. „Wir sind davon überzeugt, dass Gott hört“, sagt er heute. Das „Gebet für die Stadt“ sei zur Institution geworden. Eine Institution jenseits von Parteipolitik und Kirchengrenzen, so der Eindruck des 34.  Abends. Die Anliegen zum Wohl der Menschen hätten Schwarze, Rote, Grüne, Gelbe gleichermaßen teilen können – bei Braun hätte es wohl Abstriche gegeben, siehe Integration.

Weil „der Stadt Bestes“ auch von der „großen“ Politik abhängt, gab es eine zweite Gebetsrunde für die Landes- und Bundespolitik – etwa für eine kluge Wahl des nächsten Bundespräsidenten. Jeder sprach in freien Worten, ob nun laut oder leise, oder die Worte anderer mit einem „Amen“ – so sei es – bestätigend. Politik und Beten – passt das denn überhaupt zusammen? Oft werde beides nicht zusammen ausgeübt, sagte der „Hausherr“ der Zionskirche, Pfarrer Stefan Herb. „Manchmal ist die Wirkung des Gebets so, dass wir nichts davon sehen.“ Aber sie sei da. „Gott hängt an unseren Lippen, wenn wir beten.“

Begeistert waren alle von den Tönen, die die Lippen von Romi passierten, von ihrem Vater Johannes Hopf an der Gitarre begleitet. Beide spielten und sangen zwischendurch feinen Jazz. Nach dem Gebet gab es einen Ständerling mit Häppchen. Schließlich wollten und sollten die Teilnehmer nicht nur mit Gott, sondern auch miteinander reden.

Der Straßenbelag, merkte Matt-Heidecker noch an, der sei auch wichtig. Spätestens dann, wenn jemand ihn mit dem Rollator passiere.

Termine Im Jahr 2017 ist das „Gebet für die Stadt“ am 14. Februar, 9. Mai und 10. Oktober. Die Orte folgen.

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